Workshops / Gastvorträge

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Podiumsdiskussion am 01.02.2017

Plakat Podiumsdiskussion

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“ 

Prof. em. Dr. Micha Brumlik
Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften, Goethe-Universität, Frankfurt am Main und Senior Advisor, Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg

Prof. Dr. Susanne Rohr
Institut für Anglistik und Amerikanistik, Arbeitsbereich Amerikanische Literatur und Kultur und Sprecherin des Graduiertenkollegs „Vergegenwärtigungen“, Universität Hamburg

Dr. Miriam Rürup
Direktorin Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg

Prof. Dr. Anja Tippner
Institut für Slavistik und stellvertretende Sprecherin des Graduiertenkollegs „Vergegenwärtigungen“, Universität Hamburg

Dr. Oliver von Wrochem
Leiter Studienzentrum KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg

Mittwoch, den 01.02.2017, 18 – 20 Uhr
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

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Gastvortrag am 25.01.2017

Plakat Gastvortrag Pfanzelter
Die Arbeiten von Claude Landmann als Paradigma der filmischen Shoah-Repräsentation

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Prof. Dr. Gertrud Koch
Seminar für Filmwissenschaft, Freie Universität Berlin

Mittwoch, den 25.01.2017, 18 – 20 Uhr
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Gastvortrag am 18.01.2017

Plakat Gastvortrag Pfanzelter
Der Holocaust und Soziale Medien. Vom „Liken“, „Sharen“ und „Teilen“ in Online-Verhandlungen der Shoah

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Mag. Dr. Eva Pfanzelter
Universität Innsbruck

Mittwoch, den 18.01.2017, 18 – 20 Uhr
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

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Der derzeit vorherrschende national und international versöhnliche Tenor institutioneller Erinnerungspraktiken ist nicht unumstritten und wird zunehmend divergierenden Narrativen untergraben. Ein Unbehagen an der institutionalisierten Erinnerungskultur ist daher auch als Phänomen transkulturellen Erinnerns zu sehen, in dem die unter dem Begriff „Globalisierung“ subsumierten Entwicklungen, diskutiert werden. Das Internet und im Besonderen die sozialen Netzwerke prägen den Diskurs entscheidend mit: Die Präsentation, Repräsentation und der Diskurs über die Geschichte des und die Erinnerung an den Holocaust im Internet ist ein Musterbeispiel für den transkulturellen Mediationsprozess zwischen Geschichte und Erinnerung, zwischen Gedächtnis, Technik und Kultur. Diese Phänomene sollen am Beispiel multimedialer Angebote in deutsch- und englischsprachige soziale Medien vorgestellt werden. Sie adressieren die transkulturellen Reibungsflächen und weisen darauf hin, dass das Internet nicht nur als Beschleunigungsmedium Einfluss auf den Diskurs hat, sondern darüber hinaus als zentrales Instrument der „Public History“ künftig die Erinnerung an den Holocaust vermitteln, „teilen“ und weiterführen wird. Ausgangspunkt der Untersuchung sind die Reaktionen auf die verstörenden, photographischen Inszenierungen vor europäischen Mahnmalen ebenso wie etwa performative Erinnerungspraktiken in Tumblr. Allerdings – wenn es nicht gerade um Holocaust-Leugnung, Rassismus und Antisemitismus geht – wird auch an diesen Inszenierungen sichtbar, dass hier ungeschriebene Gesetze der Ästhetik und Autorenschaft gültig sind, die seit jeher den Erinnerungsdiskurs geprägt haben.

Mag. Dr. Eva Pfanzelter

(© Mag. Dr. Eva Pfanzelter)

Eva Pfanzelter (* 1969 in Bozen) ist eine Südtiroler Zeithistorikerin. Sie forscht und lehrt seit 1999 als Vertragsassistentin, seit 2010 als Assistenzprofessorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck.

Die aus Kastelruth stammende Pfanzelter studierte an der Universität Innsbruck Geschichte sowie die Fächerkombination Englisch und EDV für Geisteswissenschaften. 1995 schloss sie ihr Studium mit einer in englischer Sprache verfassten Diplomarbeit über Südtirol und das Selbstbestimmungsrecht ab. Bereits 1994 hatte sie den Master of Arts an der amerikanischen Eastern Illinois University in Charleston erworben. 2005 erlangte sie in Innsbruck mit einer Dissertation über die amerikanische Besatzungszeit in Südtirol 1945 ihre Promotion. Seit September 2010 ist sie Assistenzprofessorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und seit Juli 2016 assoziierte Professorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck.

Zu Pfanzelters Forschungsschwerpunkten zählen europäische und regionale Zeitgeschichte nach 1945, die Regionalgeschichte Südtirol/Tirols (insbesondere die Option in Südtirol), Erinnerungskulturen und Geschichtspolitik, Holocaust Studies und Digital Humanities.

Gastvortrag am 11.01.2017

Plakat Gastvortrag Geiger
Die Shoah als musikalisches Sujet

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Prof. Dr. Friedrich Geiger
Institut für Historische Musikwissenschaft
Universität Hamburg

Mittwoch, den 11.01.2017, 18 – 20 Uhr,
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Gastvortrag am 21.12.2016

Plakat Gastvortrag Hieronimus

Der Holocaust im Comic – das Ende der Tabus?

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Dr. Marc Hieronimus
Projektmanager MedienWelten und Sprecher des Wissenschaftsforums des „Interkultureller Dialog e.V.“, Köln

Mittwoch, den 21.12.2016, 18 – 20 Uhr,
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

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Seit Supermans und Captain Americas Auftreten hat es unzählige Darstellungen der Nazizeit und ihrer Akteure gegeben. Calvos „La bête est morte“ von 1944/45 gilt als erste Erwähnung des Holocaust im Genre. Seither hat es beinah alles gegeben: Nazi-Werwölfe, Nazi-Neandertaler, Nazi-Vampire, Nazi-Dominas, Nazi-Ninjas, verrückte Nazi-Wissenschaftler in reißerischen, nicht immer ganz ernsten Geschichten; von der Kritik hochgelobte Funny Animals (Spiegelmans Maus); „Uchronien“, also veränderte Geschichtsabläufe; didaktische, humoristische, pornografische Comics mit Nazi-Hintergrund uvm. Dennoch sind Nazizeit und Holocaust kein Thema wie jedes andere. Die Polemik um den derben KZ-Witze-Comic „Hitler = SS“ (Gourio/Vuillemin 1990) hat die Grenze markiert, die von Comic-Autoren bei Strafe des Publikationsverbots nicht überschritten werden darf: Der Holocaust ist nicht zum Lachen. Meist blenden die einschlägigen Comics das Thema aus oder streifen es nur am Rande. Ziel der Vorlesung ist es, nach einem historischen Überblick und einem Querschnitt durch die jüngere Produktion einige wenig bekannte Abenteuer-, Lehr- und sogar Humor-Comics von unterschiedlicher Qualität vorzustellen, die sich nicht an die „Holocaust-Etikette“ halten und die Vernichtung der europäischen Juden explizit darstellen.

Dr. Marc Hieronimus

Dr. phil. Marc Hieronimus ist promovierter Historiker und Manager des MedienWelten-Projekts. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Sprache und Sprachdidaktik, Comicwissenschaft, Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts, Struktur und Wirkungsweisen von Medien, Wandel zur Postwachstumsgesellschaft. Er ist zudem Sprecher des Wissenschaftsforums des „Interkultureller Dialog e.V.”.

Gastvortrag am 14.12.2016

Plakat Gastvortrag Rübel

NOart! Shoah und Pin-ups bei Boris Kurie und Gerhard Richter

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Prof. Dr. Dietmas Rübel
Kunstgeschichte und -theorie, Hochschule für Bildende Künste Dresden

Mittwoch, den 14.12.2016, 18 – 20 Uhr,
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Gastvortrag am 07.12.2016

Plakat Gastvortrag Knoch
„Alles sauber und ordentlich.“ Gedenkstätten und die deutsche Erinnerungskultur nach 1945

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Dr. Habbo Knoch
Neuere und Neuste Geschichte, Historisches Institut, Universität zu Köln

Mittwoch, den 07.12.2016, 18 – 20 Uhr,
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

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Gastvortrag am 30.11.2016

Plakat Gastvortrag Barjonet

Die Enkelgeneration in der französischen Shoah-Literatur und im internationalen Vergleich

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Dr. Aurélie Barjonet
Vergleichende Literaturwissenschaft, Institut d’études culturelles et internationales, Université de Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines

Mittwoch, den 30.11.2016, 18 – 20 Uhr,
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Insbesondere seit dem Erfolg und den Polemiken, die durch Jonathan Littells Les Bienveillantes (Die Wohlgesinnten) hervorgerufen wurden, ist eine dritte Schriftsteller-Generation zugleich sichtbarer und literarisch produktiver geworden. Die realen oder imaginierten Nachgeborenen der Zeitzeugen versuchen, sich ein umfassendes Bild ihrer Familiengeschichte zu machen oder widmen sich der Shoah, weil sie einen Zivilisationsbruch darstellt, der die Notwendigkeit nach sich zieht, immer wieder und evt. neu darüber nachzudenken. Im Allgemeinen sind sie sich ihrer Illegitimität, der unüberwindbaren Schwierigkeiten, die ihnen begegnen werden, sowohl angesichts der Archive als auch in ihrem Erzählen, bewusst und schreiben « trotz allem » (Didi-Huberman) (s. dazu meine Artikel).

Der Vortrag wird die dritte Generation im internationalen Vergleich, insbesondere mit deutscher, amerikanischer und israelischer Literatur, vorstellen. Daran anknüpfend soll eine Typologie vorgeschlagen werden, die danach unterscheidet, ob die Autoren über ihre Vorfahren recherchieren, ob sie die Zeit des Zweiten Weltkriegs durch Fiktion rekreieren oder ob sie verschiedene Erinnerungen verflechten. Diese Typologie wird durch Beispiele illustriert. Schließlich soll die Poetik des « trotz allem » verortet werden, die bei zahlreichen (aber nicht allen!) Autoren der dritten Generation sichtbar ist, im Verhältnis zu den Poetiken der vorangegangenen Generationen. Deutlich ist, dass die dritte Generation in einem Verhältnis der Kontinuität zu den vorangegangenen Generationen steht.

Dr. Aurélie Barjonet

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Dr. Aurélie Barjonet studierte Komparatistik, Germanistik und Übersetzungswissenschaft in Frankreich und Deutschland. Seit 2008 ist sie Maître de conférences in vergleichender Literaturwissenschaft an der Universität Versailles. Sie promovierte über die Rezeption Zolas als Autor und Intellektueller in linken Kreisen in Frankreich und Deutschland (1873-1978) und arbeitet im Rahmen ihres Habilationsprojekts über die Generation der Enkel in der Shoah-Literatur.

Artikel zum Thema (Auswahl)

  1. « Écrire malgré tout », dans : Agnieszka Grudzinska et Luba Jurgenson (dir.), Représenter la Shoah après 1989 : idées, poétiques, images. Entre la France et la Pologne, im Druck.
  2.  « Relations “autistes” des horreurs de la Seconde Guerre mondiale : Flughunde (M. Beyer) et Les Bienveillantes (J. Littell) », dans : Patrick Werly et Guy Ducrey (dir.), Littérature et expériences croisées de la guerre, PU de Strasbourg, im Druck.
  3. « Le savoir de la troisième génération », Revue des sciences humaines, n° 321, janvier-mars 2016, p. 101-116.
  4.  « Déconstruire et reconstruire son héritage pour mieux le revendiquer. Quand les petits-enfants réalisent des documentaires sur leur histoire familiale », Témoigner. Entre Histoire et Mémoire, n° 121, octobre 2015, p. 121-134.
  5.  « Les petits-enfants : une génération d’écrivains hantée », dans : Ivan Jablonka (dir.), L’Enfant-Shoah, PUF, 2014, p. 219-235.
  6.  « Parler de soi et de la Seconde Guerre mondiale. Le cas de deux écrivains de la troisième génération (Fabrice Humbert, L’Origine de la violence, 2009 et Laurent Binet, HHhH, 2010) », dans : Christine Ott et Jutta Weiser (dir.), Autofiktion und Medienrealität. Kulturelle Formungen des postmodernen Subjekts, Heidelberg, Winter, 2013, p. 171-187.
  7.  « La troisième génération devant la Seconde Guerre mondiale : une situation inédite », Études romanes de Brno, Dossier thématique : « Comment raconter tout ce qui n’a pas encore été dit ? », Les représentations de l’Histoire du XXsiècle dans les littératures d’expression française et espagnole d’après 1968, n° 33, vol. 1, 2012, p. 39-55.

Gastvortrag am 23.11.2016

Plakat Gastvortrag Benthien

Vergegenwärtigungen. Die Shoah im deutschsprachigen Gegenwartstheater

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Prof. Dr. Claudia Benthien
Neuere Deutsche Literatur, Institut für Germanistik, Universität Hamburg

Mittwoch, den 23.11.2016, 18 – 20 Uhr,
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Gastvortrag am 16.11.2016

Rekonstruktive Praktiken und Reenactments in den gegenwärtigen künstlerischen Rekursen auf die Shoah

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Prof. Dr. Magdalena Marszałek
Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft, Institut für Slavistik, Universität Potsdam

Mittwoch, den 16.11.2016, 18 – 20 Uhr,
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Künstlerische Experimente sowie populäre Nachstellungen, die in performativen Wiederholungsgesten auf die Shoah (und auf andere Formen extremer Gewalt im 20. Jahrhundert) rekurrieren, operieren im Kern der heutigen memorialen Kultur, die immer mehr auf emotionale Beteiligung und sinnliches ‚Nacherleben‘, d.h. auf die Erinnerung als Affizierung ausgerichtet ist – und somit auch immer weniger auf die intellektuelle Zeugenschaft. Im Vortrag werden unterschiedliche Strategien und Effekte performativer Rekurse auf die Shoah – in erster Linie an Beispielen aus der polnischen Kunst – diskutiert.

Prof. Dr. Magdalena Marszałek

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Magdalena Marszałek ist Professorin für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft (Schwerpunkt Polonistik) an der Universität Potsdam. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören u.a. literatur- und medienwissenschaftliche memory studies: Zeugenschaft und Literatur, postmemoriale Ästhetiken in der Literatur, bildenden Kunst und im Theater, intermediale Poetiken und Gedächtnis. Zurzeit leitet sie an der Universität Potsdam ein binationales Forschungsprojekt Performances of Memory: Testimonial, Reconstructive and Counterfactual Strategies in Literature and Performative Arts of the 20th and 21st Centuries, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vom Nationalen Wissenschaftszentrum (NCN, Polen). Ausgewählte Publikationen: Nach dem Vergessen. Rekurse auf den Holocaust in Ostmitteleuropa nach 1989. Berlin 2010 (hrsg. mit Alina Molisak); Seien wir realistisch. Neue Realismen und Dokumentarismen in Philosophie und Kunst. Berlin, Zürich 2016 (hrsg. mit Dieter Mersch); “Performative Wiederholung zwischen Skandal, Kitsch und Experiment. Zum ludischen und künstlerischen Reenactment in Polen”, in: E. Kilchmann (Hg.): artefrakte. Holocaust und Zweiter Weltkrieg in experimentellen Darstellungsformen in Literatur und Kunst. Köln (u.a.) 2016, 127-144.

Gastvortrag am 09.11.2016

Aktualisierte Vergangenheiten: Poröse Geschichte und dokudramatische Formen im Fernsehen

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann
Department of Communication and Journalism, The Hebrew University of Jerusalem, Israel

Mittwoch, den 9.11.2016, 18 – 20 Uhr
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Aufgrund seines präsentischen Charakters müssen im Fernsehen Vergangenheiten immer wieder vergegenwärtigt werden. Historische Ereignisse werden durch solche Wieder-Holung zu Erinnerungsereignissen in der Gegenwart. Im Prozess der Vergegenwärtigung werden Vergangenheiten im Fernsehen auch aktualisiert. Sie sollen die Zuschauer ‚bewegen‘ und dazu müssen sie ‚betreffen‘. Auf der einen Seite verdichtet und konkretisiert Geschichtsfernsehen die Vergangenheit. Es partizipiert an der Herstellung und Kommunikation von teilbaren und mitteilbaren Geschichtsbildern. Dies betrifft seine harmonisierende Seite. Auf der anderen Seite produziert Geschichtsfernsehen Resonanzeffekte. Die Vergangenheit hallt in der Gegenwart wieder. Dadurch können auch Erinnerungskonflikte ausgelöst werden.

Solche resonanten televisuellen Vergangenheitsräume stehen im Zentrum des Vortrages. Sein primärer Gegenstand ist das Dokudrama, in dem sich Vergangenheiten schon allein darum sichtbar vergegenwärtigen, weil sich – zumindest in seiner klassischen Form – verschiedene fragmentarische Teile (historisches Bildmaterial, Re-enactment und Zeugenaussage) in der Montage miteinander verbinden und dabei oft responsive Beziehungen eingehen. Im aktuellen Geschichtsfernsehen verlagert sich die dokudramatische Form zunehmend in das Programm selbst und ist gerahmt von ‚extra-textuellen Events‘. Auf diese Weise erweitert sich der Resonanzraum aktualisierter Vergangenheiten. Der Vortrag analysiert diese Verfahren und beschreibt das Dokudrama als poröse Form der Vergangenheitsaktualisierung, die durch bestimmte Rahmungen responsive Resonanzeffekte produziert.

Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann

(© Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann)

Tobias Ebbrecht-Hartmann is a Lecturer of Cinema Studies in the Department of Communication and Journalism and of German Social History and Culture in the DAAD Center for German Studies. His fields of research, teaching and publication are film history and film theory; memory culture and cinematic remembrance of the Holocaust; West and East German cinema; German-Israeli film relations; filmheritage, archival films and echo cinema.

He holds his PhD from the Free University in Berlin where he also graduated in Film Studies, New German Literature and Political Science. From 2004 to 2010 he was research and teaching assistant in the field of media history at the University for Film and Television “Konrad Wolf” in Potsdam-Babelsberg. After defending his doctoral thesis on cinematic narration of the Holocaust in 2010 he was senior researcher and postdoctoral fellow in the Graduate Research Program “Media of History – History of Media” at the Bauhaus University of Weimar. In 2012 he was awarded a fellowship of the International Institute for Holocaust Research Yad Vashem in Jerusalem. From 2013 to 2014 he was head of a research project on East German Student Films based at the University for Film and Television “Konrad Wolf” and funded by the German Research Foundation.

Ebbrecht-Hartmann is author of three German monographs on German-Israeli film history, cinematic narration of the Holocaust and the filmmaker Romuald Karmakar; co-editor of three German anthologies on emotions and film perception, East German documentary cinema and contemporary German cinema; and contributed numerously to journals, collections and online-publications in German, English, French and Hebrew.

Gastvortrag am 02.11.2016

Bild/Kein Bild. Zur Debatte Lanzmann/Didi-Hubermann

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Prof. Dr. Peter Geimer
Kunsthistorisches Institut, Freie Universität Berlin

Mittwoch, den 2.11.2016, 18 – 20 Uhr
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Gastvortrag am 26.10.2016

The Stages of Memory: Reflections on Memorial Art, Loss, and the Spaces Between

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Vortrag von Prof. Dr. James E. Young
Department of English, University of Massachusetts Amherst, USA

Mittwoch, den 26.10.2016, 18 – 20 Uhr,
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

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In this vividly illustrated slide-lecture, James Young will trace what he calls “the memorial’s vernacular arc” between Maya Lin’s Vietnam Veterans Memorial in Washington, D.C., Berlin’s Denkmal for the Murdered Jews of Europe, and the National 9/11 Memorial at Ground Zero in New York City. At the same time, Young will reflect on his own role as juror in the memorial competitions in Berlin and New York and how these memorial processes attempt to formalize terrible loss without altogether repairing it.

(© Prof. Dr. James E. Young)

Prof. Dr. James E. Young

(© Prof. Dr. James E. Young)

James E. Young is Distinguished University Professor of English and Judaic Studies at the University of Massachusetts, Amherst, where he has taught since 1988, and Director of the Institute for Holocaust, Genocide, and Memory Studies at UMass Amherst. He has also taught at New York University as a Dorot Professor of English and Hebrew/Judaic Studies (1984-88), at Bryn Mawr College in the History of Religion, and at the University of Washington, Harvard University, and Princeton University as a visiting professor. He received his Ph.D. from the University of California in 1983.

Professor Young is the author of Writing and Rewriting the Holocaust (1988), The Texture of Memory (Yale University Press, 1993), which won the National Jewish Book Award in 1994, At Memory’s Edge: After-images of the Holocaust in Contemporary Art and Architecture (Yale University Press, 2000), and The Stages of Memory: Reflections on Memorial Art, Loss, and the Spaces Between (University of Massachusetts Press, 2016). He was also the Guest Curator of an exhibition at the Jewish Museum in New York City, entitled „The Art of Memory: Holocaust Memorials in History“ (March – August 1994, with venues in Berlin and Munich, September 1994 – June 1995) and was the editor of The Art of Memory (Prestel Verlag, 1994), the exhibition catalogue for this show.

In 1997, Professor Young was appointed by the Berlin Senate to the five-member Findungskommission for Germany’s national „Memorial to Europe’s Murdered Jews,“ which selected Peter Eisenman’s design, finished and dedicated in May 2005. He has also consulted with Argentina’s government on its memorial to the desaparacidos, as well as with numerous city agencies on their memorials and museums. Most recently, he was appointed by the Lower Manhattan Development Corporation to the jury for the “National 9/11 Memorial” design competition, won by Michael Arad and Peter Walker in 2004 and opened on September 11th, 2011.

Professor Young has written widely on public art, memorials, and national memory. His articles, reviews, and Op-Ed essays have appeared in The New York Times Magazine, Book Review, and Op-Ed pages, The Los Angeles Times, The Chicago Tribune, The Forward, and Frankfurter Allgemeine Zeitung, among other newspapers, as well as in scholarly journals such as Critical Inquiry, Representations, New Literary History, PMLA, Partisan Review, The Yale Journal of Criticism, Annales, SAQ, History and Theory, Harvard Design Magazine, Jewish Social Studies, Contemporary Literature, History and Memory, The Chronicle of Higher Education, Holocaust and Genocide Studies, Prooftexts, The Jewish Quarterly, Tikkun, and Slate, among dozens of other journals and collected volumes. His books and articles have been published in German, French, Hebrew, Japanese, and Swedish editions.

Professor Young is the recipient of numerous awards and fellowships, including a Guggenheim Fellowship, ACLS Fellowship, NEH Exhibition planning, implementation, and research grants, Memorial Foundation for Jewish Culture Grants, an American Philosophical Society Grant, and a Yad Hanadiv Fellowship at the Hebrew University in Jerusalem, among others.

In 2000, he was appointed as Editor-in-Chief of The Posen Library of Jewish Culture and Civilization, a ten-volume anthology of primary sources, documents, texts, and images, forthcoming with Yale University Press (2012-2016). At present, he is completing an insider’s story of the World Trade Center Memorial, entitled Memory at Ground Zero: A Juror’s Report on the World Trade Center Site Memorial.

Lecture2Go-Aufzeichnung


„Geschichte als öffentliche Ressource. Kollektive Identitätswünsche und die Suche nach dem ultimativen Geschichtserlebnis“.

Vortrag von Dr. Ulrike Jureit, Hamburger Institut für Sozialforschung

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Mittwoch, den 06.07.2016, 18 – 20 Uhr
Hörsaal F, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Der Vortrag wird sich zum einen mit Theorien des Vergessens sowie mit dem Wandel unserer Erinnerungskultur seit den 1960er Jahren bis heute beschäftigen. Dabei geht es  vor allem darum, die Inbesitznahme des Holocausts für jeweils gegenwärtige Identitäts- und Selbstverständigungsdiskurse auszuleuchten.

Workshop „Bedingungen und Grenzen von ‚Übersetzung‘ und ‚Generation‘
im Nachleben der Shoah“

am Institut für Germanistik in Zusammenarbeit mit dem Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen. Repräsentationen der Shoah in komparatistischer Perspektive“

Freitag, 13.05.2016, 10:00 – 18:30 Uhr
Universität Hamburg, Von-Melle-Park 6, Raum 708

10.00-10.15 Uhr:
CLAUDIA BENTHIEN und DOERTE BISCHOFF: Begrüßung und Einführung

10.15-10.45 Uhr:
ESTHER KILCHMANN: artefrakte. Auseinandersetzungen mit dem Holocaust in experimentellen Verfahren in Kunst und Literatur – Buchvorstellung

11.15-12.15 Uhr:
PAWEŁ PISZCZATOWSKI: „Wundgelesenes übersetzen“ – Paul Celans posttraumatische Alchemie des Wortes im Lichte von Walter Benjamins Konzeption der ‚reinen Sprache‘

12.15-13.15 Uhr:
CLAUDIA BENTHIEN: „blitzlichtszenen meiner brennenden erinnerung“.
Zur Ästhetik der Dissoziation in der Novelle Frühling von Thomas Lehr

14.30-15.30 Uhr:
ANNA ARTWINSKA: Der Faden der Genealogie. Zwei Strategien der transgenerationellen Übertragung in der polnischen Gegenwartsliteratur

15.30-16.30 Uhr:
DOERTE BISCHOFF: „Was ist eine Familie?“: Shoah-Erinnerung und die Grenzen des Generationenkonzepts in Doron Rabinovicis Andernorts

17.00-18.30 Uhr:
KRZYSZTOF TKACZYK: (A)pollonia von Krysztof Warlikowski: Mediale und transkulturelle Übersetzung der Geschichtlichkeit des Holocaust ins polnische Gegenwartstheater

„Aktuelle ungarische Rezeption der Shoah“

Vortrag von Dr. Péter Varga,
Universität Budapest

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Donnerstag, den 21.01.2016, 18:00 – 19:30 Uhr
Institut für Historische Musikwissenschaft, Neue Rabenstraße 13, Raum 5, 20354 Hamburg

In der Erinnerungskultur bezüglich der Shoah zeigt sich in der ungarischen Literatur mit der Wende von 1990 eine deutliche Wende. Nach langen Jahren der Verdrängung und Verschweigung beschäftigen sich sowohl Historiker als auch Literaten mit der dunklen Vergangenheit der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Mit der Verleihung des Nobelpreises 2002 an Imre Kertész musste sich auch die ungarische Gesellschaft noch einmal mit seinem eigenen jüdischen Erbe auseinandersetzen. Außerdem war dieser Erfolg von Kertész ein bedeutender Anstoß an die zweite Generation ungarisch-jüdischer, aber auch nichtjüdischer Autoren, dieses Thema noch einmal intensiv zu diskutieren, was eigentlich bis in die Gegenwart anhält.

Dr. Péter Varga

Dr. Péter Varga ist habilitierter Dozent am Germanistischen Institut der Eötvös Loránd Universität zu Budapest, Leiter des Forschungszentrums für Deutschsprachig-jüdische Kulturgeschichte Mitteleuropas. Forschungsschwerpunkte: Ostjüdische Aufklärung, deutschsprachig-jüdische Literatur von Mitteleuropa, Assimilation, ungarndeutsche Literatur, theaterpädagogisches Rollenspiel.

„Film und Genozid am Beispiel von Farockis Aufschub, Lanzmanns Shoah und Egoyans Ararat“

Vortrag von Prof. Dr. Sven Kramer,
Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Literarische Kulturen,
Leuphana Universität Lüneburg

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“

Donnerstag, den 17.12.2015, 18:00 Uhr – 19:30 Uhr
Institut für Historische Musikwissenschaft, Neue Rabenstraße 13, Raum 5, 20354 Hamburg

Der Vortrag wird den Zusammenhang von Überlieferung und Aneignung von Genoziden anhand dreier Filme untersuchen, die unterschiedliche konzeptionelle Entscheidungen treffen: „Shoah” von Claude Lanzmann (1985), „Ararat“ von Atom Egoyan (2002) sowie „Aufschub“ von Harun Farocki (2007).

Kurzvita:
Studium, Promotion und Habilitation an der Universität Hamburg, Auslandsaufenthalte in Paris und St. Louis. Zwischendurch Tätigkeiten für Verlage, Tageszeitungen und den Hörfunk. 2002-2005 Visiting Associate Professor an der University of Toronto sowie Repräsentant des DAAD für Kanada. Im Herbst 2005 Senior Lecturer an der University of Melbourne. Gastprofessuren: University of Western Australia, 2011; Brown University, 2012; Washington University in St. Louis, 2014.

Geschäftsführender Direktor des Instituts für Geschichtswissenschaft und Literarische Kulturen. Sprecher des Promotionskollegs Philosophie, Literatur und Geschichte. Mitglied der Senatskommission Internationalisierung sowie der Promotions- und der Habilitationskommission der Fakultät Kulturwissenschaften.

Geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift für kritische Theorie. Juror und Mitveranstalter der LiteraTour Nord. Vorsitzender des Stiftungsrats der Nicolas Born-Stiftung. Mitherausgeber der Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik.

„Die polnische Erinnerung an die Shoah nach 1989 – Literarische, filmische und publizistische Diskurse“

Vortrag von Dr. phil. habil. Alina Molisak,
Universität Warschau, DAAD-Gastdozentin im WiSe 2015/16 am Institut für Slavistik, Universität Hamburg

Veranstalter: Graduiertenkolleg „Vergegenwärtigungen“ und Institut für Slavistik, Universität Hamburg

Mittwoch, den 02.12.2015, 18:00 – 19:30 Uhr
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6 (Philosophenturm)

„Hannah Arendt on Ethics and the Holocaust“

Vortrag von Dr. Deirdre Mahony

im Rahmen des Graduiertenkollegs „Vergegenwärtigungen“

Mittwoch, den 15.7.2015, 16 Uhr
Raum Phil 1263, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

“Jüdische Mütter” in narrativen Werken von Jenny Erpenbeck, Julia Franck und Adriana Alteras.

Vortrag von Prof. Agnes C. Mueller,
College of Arts & Sciences Distinguished Professor of the Humanities,
University of South Carolina

im Rahmen des Graduiertenkollegs „Vergegenwärtigungen“

Mittwoch, den 24.6.2015, 18 – 20 Uhr
Hörsaal E, Von-Melle-Park 6, 20146 Hamburg

Dieser Vortrag wird den verschiedenen Repräsentationen von jüdischen Müttern, insbesondere dem Stereotyp der jüdischen Mutter in fiktionalen Werken von drei deutsch (-jüdischen) Autorinnen nachgehen. Jenny Erpenbecks Aller Tage Abend, Julia Francks Die Mittagsfrau, und Adriana Alteras’ Doitscha stellen diverse Mutterfiguren aus, die in erster Linie durch ihre jüdische Identität charakterisiert werden. Teilweise sind diese Figurationen als bedrohlich in ihrer Weiblichkeit und/ oder in ihrer Rolle als “jiddische Memme” dargestellt. Derartige Repräsentationen figurieren im Kontext langstehender Vorurteile gegenüber der jüdischen Weiblichkeit insgesamt, wie dem der Mutter als überfürsorglicher Beschützerin, dem der verführerischen Belle Juive, und dem der egozentrischen und gefährlichen Feministin die ihre Kinder verlässt. Neuere Forschungen zu Antisemitismus und Stereotypenbildung (Bogdal, et al) differenzieren zwischen Antisemitismusdarstellungen, die stillschweigend judenfeindliche Stereotypen affirmieren, und solchen, die diese aktiv zu dekonstruieren suchen. Eine zentrale Frage ist dabei, inwieweit die Repräsentationen von Antisemitismus oder judenfeindlichen Bildern in den Texten so ausgestellt sind, dass der Leser/ die Leserin dazu angehalten wird, diese zu affirmieren oder zu unterminieren, und ob dies durch die jeweiligen Identitäten der Autorinnen selbst definiert wird, oder ob andere Faktoren (auf Seiten der Leserschaft, des gesamtkulturellen Diskurses, etc.) eine signifikante Rolle spielen.